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Lokale
Informationen immer beliebter
die Anzeigenblätter [Teil 1]
Sie
waren verrufen. Sie galten lange Zeit aufgrund bundesdeutscher
Rechtsprechung nicht einmal als Presseerzeugnisse. Sie wurden
ungelesen weggeworfen. Sie haben sich durchgesetzt. Die Rede ist
von den sogenannten Anzeigenblättern. In NRW
ist der größte Anzeigenblatt-Verlag Deutschlands mit
wöchentlich 72 erscheinenden Titeln beheimatet die
wvw- und ora-Gruppe.
Anzeigen in Zeitungen? Eine schockierende Vermengung von Redaktion
und Werbung für vergangene Generationen. Erst nach der Aufhebung
des Intelligenzzwanges fanden 1849 Inserate ihren Weg in
die Tageszeitungen. In dieser Zeit entstanden viele Generalanzeiger,
Anzeigenblätter und Geschäftsanzeiger,
die sich teilweise durch Anzeigenwerbung finanzierten. Während
die etablierten Medien sich an höhere Stände richtete,
zielten die Anzeiger auf die große Masse des
Volkes. Ziel war jedoch immer eine Mischfinanzierung aus dem,
vom Leser zu entrichtendem Kaufpreis und den Honoraren der werbungtreibenden
Firmen.
Die modernen Anzeigenblätter des 20. Jahrhunderts gingen
einen neuen Weg. Genau wie Tageszeitungen oder Zeitschriften bilden
Anzeigenblätter eine Pressegattung eigener Art. Es handelt
sich um periodische, ein- bis zweimal wöchentlich erscheinende
Druckwerke, die unentgeltlich und unbestellt verbreitet werden.
Sie finanzieren sich erstmals in der Mediengeschichte aus-schließlich
aus Anzeigen. Der redaktionelle Teil verbreitet rein lokale Informationen.
Nach neuesten Untersuchungen (Horizont 29-2002) genießt
Werbung in den Anzeigenblättern höchste Akzeptanz. 48,2
% der Befragten gaben an, sich in diesem Medium gerne Werbung
anzusehen. Gut jeder dritte Konsument hat schon einmal aufgrund
von Werbung in einem Anzeigenblatt das entsprechende Produkt gekauft.
Noch höher ist der Anteil der Verbraucher, die sich mit dem
beworbenen Produkt beschäftigt haben: Er beträgt 45,5
%. Lediglich Prospekte bzw. Beilagen (58,1 %) und Fernsehwerbung
(50,2 %) werden häufiger als Kaufauslöser benannt.
Für die Werbung treibenden örtlichen Händler ist
dies ein Traum und gleichzeitig auch das Erfolgsgeheimnis der
Anzeigenblätter: Die Leser schätzen Anzeigenblätter
als wichtige und interessante Informationsquelle.
Beiliegende Prospekte werden gerne durchgeblättert. Das heißt
nichts anderes als: Anzeigen verpuffen in ihren Aussagen nicht
wirkungslos, sondern werden stark beachtet.
Die Auswirkungen sind deutlich: Trotz Konjunkturflaute konnten
die Anzeigenblätter in 2002 einen neuen Reichweitenrekord
erzielen. Der größte Verlag für Anzeigenblätter
hat seinen Sitz in NRW. Die Westdeutsche Verlags- und Werbegesellschaft
(wvw) arbeitet hier in einer Verlagsgemeinschaft mit der
Ostruhr-Anzeigenblattgesellschaft ora. Dahinter
steckten die WAZ-Gruppe sowie bei der ora zusätzlich die
Ruhr-Nachrichten.
Hatte die WAZ-Gruppe anfangs das Mediensegment der Anzeigenblätter
im Tageszeitungsbereich mitgeführt erhielten diese am 1.
April 1981 ihren Ritterschlag mit einer Verselbstständigung
der Wochenblätter zur wvw. Gemeinsam mit der ora werden wöchentlich
rund 4,8 Millionen Exemplare flächendeckend an fast alle
Haushalte verteilt.
Neben der hohen Akzeptanz der Anzeigenwerbung und des lokal geprägten
redaktionellen Inhaltes sehen die Geschäftsführer Stephan
Sattler und Klaus Büssow auch die Profit-Center-Struktur
als Erfolgsgeheimnis: Wir haben das Unternehmen dezentral
organisiert und die Verantwortung soweit als möglich delegiert.
Die zentralen Dienstleistungen werden in Essen erstellt. Dadurch
können sich unsere Mitarbeiter in den Geschäftsstellen
voll und ganz auf den Kern ihrer unternehmerischen Aufgabe konzentrieren
den Kunden. 440 Mitarbeiter in Verkauf, Redaktion,
Vertrieb und kaufmännischen Diensten, 3.850 Boten, drei Druckhäuser,
fünf wvw-eigene und 11 externe Satzstellen das ist
das Potenzial der Anzeigenblätter der wvw und ora. Der Satz
von vier Ausgaben entsteht derzeit im Medienhaus Blömeke.
Hier laufen die Fäden der Ausgaben von Herne/Wanne-Eickel,
Castrop-Rauxel, Kamen/Unna und Lünen zusammen. Wie dieser
Zeitungssatz aktuell durchgeführt wird, was dafür notwendig
ist und wie die nahe Zukunft aussieht, ist Thema in den nächsten
eindruck-Ausgaben.
Von
Bleisatz, Klebeumbruch und
den Grenzen der EDV [Teil 2]
Als
wir 1989 angefangen haben auch für die ORA-Gruppe zu arbeiten,
kamen auf zwei Setzer ein Montierer. Heute sind es 12 Setzer,
die einen Montierer beschäftigen, so Klaus-Georg Rump,
Geschäftsführer der Mediengruppe Blömeke über
die Veränderungen im harten Geschäft des Zeitungssatzes.
Eine rundum moderne EDV zur Datenerfassung, -übermittlung
und den notwendigen Umbruch ist auch nach dem aktuellen Stand
der Technik noch nicht machbar, erläutert Kurt-Joachim
Fischer, Geschäftsführer der ORA-Gruppe. Schon
viele EDV-Anbieter haben versucht, für unsere äußerst
komplexen Unternehmen eine Lösung zu finden. Alle sind an
dieser Aufgabe gescheitert. Alleine die notwendigen Datenleitungen
zum Transfer der Datenströme müssten ein bislang unvorstellbares
Volumen bewältigen.
Das Problem liegt auf der Hand: Es geht um 40 Geschäftsstellen,
72 erscheinende Zeitungstitel wöchentlich, unterschiedliche
Erscheinungstage, endlose Möglichkeiten der Kombination von
Titeln bei der Schaltung von Anzeigen, 16 Satzbetriebe und fünf
Druckorte. Damit wird die große Stärke der WVW/ORA-Verlage
auch gleich zur kaum lösbaren EDV-Frage: seine dezentrale
Ausrichtung auf die Kunden vor Ort.
Als wir mit den Anzeigenblättern gestartet sind, haben
wir uns von Anfang an intensiv um die Kunden gekümmert, die
vom Volumen her für die Tageszeitungen uninteressant waren,
so Fischer. Diese lokale Ausrichtung auf die Bedürfnisse
der kleinen Kunden hat uns stark gemacht.
Heute muss sich ein Werbung treibendes Unternehmen, das die breite
Masse der Menschen in einer Stadt oder einem Landkreis erreichen
will, tatsächlich fragen, ob es auf die nahezu 100%ige Marktabdekkung
der Anzeigenblätter verzichten kann. Sehr gut positionierte
Tageszeitungen erreichen bis maximal 50% der möglichen Kunden.
Die Frage ist, ob es sich ein Unternehmen, dem es auf eine
breite Ansprache ankommt, leisten kann, 50% der poten-ziellen
Käufer außer Acht zu lassen, führt Fischer
aus.
Vom Grundgedanken der Vermarktung sind die WVW/ORA-Verlage als
Profit-Center strukturiert. Gleichzeitig ist aber eine zentrale
Verwaltung erforderlich, um z.B. die korrekte Rechnungs-Fakturierung
zu ermöglichen. Die Konsequenz daraus? Ein Kunde erteilt
in einer Geschäftsstelle X einen Anzeigenauftrag. Gleichzeitig
möchte er, dass die Anzeige noch in den Ausgaben der Orte
A, B, C und der Kombination Zerscheint. Der Sachbearbeiter vor
Ort nimmt diesen Auftrag entgegen und faxt die Anzeige an alle
zuständigen Geschäftsstellen. Die Anzeige wird anschließend
vom zuständigen Satzbetrieb gesetzt und an alle Setzereien
weitergeleitet, die die jeweiligen gewünschten Ausgaben betreuen.
Der Extremfall: Eine Kleinanzeige soll in allen 72 Publikationen
erscheinen. Die Folge: Die Anzeige wird 72 Mal erfasst. Die
Größe und Komplexität des Verlages ist so umfangreich,
dass der eigentlich auf der Hand liegende Weg in der elektronischen
Erfassung und Weiterverarbeitung scheitert, so Fischer.
Das gewünschte Szenario sieht dagegen folgendermaßen
aus: In allen Geschäftsstellen sind die Rechner untereinander
vernetzt. Diese sind wiederum mit allen Geschäftsstellen
verbunden. Anschließend ist die Vernetzung mit der Zentrale
erforderlich. Dazwischen müssen 16 Setzereien und 5 Druckereien
mit Daten beliefert werden.
Zusätzlich erschweren unterschiedliche Zeitungsformate eine
einheitliche Durchführung. Denn die WVW ist eine 100%ige
Tochter der WAZ Medien, die ORA eine gemeinsam geführte Gesellschaft
der Lensing-Wolff Unternehmen (Ruhr-Nachrichten) und der WAZ Medien.
WAZ und Ruhr-Nachrichten erscheinen jedoch in anderen Formaten.
Die Maße der WAZ sind ca. 3% kleiner als die der Ruhr-Nachrichten.
Dies führt aufgrund der jeweils gleichzeitig für die
Anzeigenblätter eingesetzten unterschiedlichen Druckmaschinen
ebenfalls zu unterschiedlichen Formaten der Anzeigenblätter.
Eine ganzseitige Anzeige z.B. in der Ausgabe x entspricht nicht
unbedingt einer ganzseitigen Anzeige in der Ausgabe y. Sind die
Anzeigenbreiten bei der Anlieferung noch gleich, so müssen
verschiedene Produktionswege eingeschlagen werden, um die unterschiedlichen
Andruckbreiten in den jeweiligen Druckmaschinen zu berücksichtigen.
Lediglich im Satz konnten moderne Technologien Einzug halten,
wie Rump berichten kann: Wir haben Mitte der neunziger Jahre
als einer der verantwortlichen Satzbetriebe zur Verbreitung von
Quark XPress in den Redaktionen beigetragen. Damals wurden die
Texte in den Redaktionen per Schreibmaschine erfasst und bei uns
wieder abgeschrieben. Heute ist das Layoutprogramm Quark XPress
Standard in den Redaktionen. Nach dem Fotosatz kam im Hause
Blömeke die Laserbelichtung und der Macintosh voll zum Zuge.
Heute steht das Thema des elektronischen Ganzseitenumbruchs für
die vier aus dem Unternehmen Blömeke betreuten
Ausgaben der Anzeigenblätter im Fokus.
Die geschilderten Abläufe und Unternehmensprozesse haben
Nachteile das ist ohne Frage. Sie sind personalintensiv
und führen zu mehrfacher Bearbeitung eines Vorganges. Dennoch
sind sie ein wichtiger Teil der Anzeigenblätter in NRW, denn
sie sind der Garant der dezentralen Ausrichtung. Wir werden
auch in der Zukunft nicht von diesem Kurs abweichen, sondern uns
im Gegenteil noch stärker als der lokale Dienstleister positionieren,
der um den Erfolg auch beim noch so kleinen Kunden kämpft,
so Fischer abschließend.
Die
Anzeigenblätter Herne/Wanne-Eickel und Kamen/Unna
Nach
der Theorie die Praxis
[Teil 3]
Standen
in den letzten beiden eindruck-Ausgaben die zwei Bereiche
des größten Anzeigenblatt-Verlages Europas im Fokus,
geht es heute um zwei Beispiele die Ausgaben Herne/Wanne-Eickel
und Kamen/Unna, die beide bei Blömeke gesetzt werden.
Sie sind gleich und doch verschieden die zwei Ausgaben
der Anzeigenblätter aus Kamen/Unna und Herne/Wanne-Eickel.
Erscheinung, Vertrieb, Ausrichtung bzw. Schwerpunkte hierin
unterscheiden sich die beiden Zeitungen. Nur in der Zielrichtung
finden alle den gemeinsamen Nenner: die absolute Ausrichtung auf
das lokale Geschehen vor der Haustür.
Wir waren die erste Sonntagszeitung innerhalb des wvw-ora-Verlages
und haben uns in Herne/Wanne-Eickel gegen einen Wettbewerber etabliert,
der wesentlich länger am Markt war, so Hans Schürmann,
Objektleiter des Wochenblattes Herne/ Wanne-Eickel. Mittwochs
und sonntags erscheinen jeweils 86.000 Exemplare der von ihm betreuten
Zeitung. Die Abdeckungsquote in den Haushalten von Herne und Wanne-Eickel
ist der Traum aller Werbung treibenden Unternehmen: Sie liegt
bei 100 %.
Wenn wir im Titel unserer Zeitung Herne/ Wanne-Eickel führen,
haben wir uns dafür bewusst entschieden, um die betont lokale
Ausrichtung zu verdeutlichen, erläutert Schürmann.
Es ist nicht die Weltpolitik, die über unsere redaktionelle
Ausrichtung bestimmt, sondern das Geschehen direkt vor der Haustür,
die Konzentration auf den Menschen und seine Geschichte. Eine
Neubürgerin in Herne hatte mir einmal ein sehr großes
Kompliment gemacht. Wir seien für sie ein sehr guter Dienstleister
gewesen, um die Stadt, das kulturelle, kirchliche, sportliche
oder Vereins-Leben genau kennen zu lernen. Genau hierin sehen
wir auch unsere Aufgabe.
Auf zwei Aspekte ist Schürmann für das Wochenblatt besonders
stolz: Zum einen ist dies die gute Zusammenarbeit mit den Werbegemeinschaften.
Beispielsweise arbeiten im Stadtteil Wanne-Eickel fünf Werbegemeinschaften.
In einigen Vorständen sind Mitarbeiter des Wochenblattes
sogar aktiv tätig. Gemeinsam wird jährlich die Wahl
Gesicht des Sommers, ein Modelcontest unter Frauen
und in diesem Jahr erstmalig auch unter Männern
durchgeführt. Die Resonanz ist riesengroß.
Zweiter Aspekt, der das Wochenblatt Herne/Wanne-Eickel auszeichnet,
ist seine durchorganisierte Vertriebsstruktur. 120 Boten sind
zweimal wöchentlich unterwegs, um die Zeitung in jedem Briefkasten
Hernes zu deponieren. Wie zuverlässig dieses Team arbeitet,
zeigt sich daran, dass selbst die Stadt Herne es nutzt
für die Verteilung der gelben Wertstoffsäcke des dualen
Systems Deutschland. In diesem Jahr wird das Wochenblatt zusammen
mit dem wvw/ora-Verlag übrigens auch erstmals dort Flagge
zeigen, wo das Herz des Ruhrgebietes einmal jährlich
pulsiert auf der Cranger Kirmes in Herne.
Eine ähnliche Struktur wie das Wochenblatt bietet der Stadtspiegel
Kamen/Unna. Hier reicht das Einzugsgebiet der ersten Ausgabe von
Holzwickede nach Unna. In einer zweiten, lokal angepassten Ausgabe
werden Kamen, Bergkamen und Bönen abgedeckt. Knapp 87.000
Exemplare des Stadtspiegels werden mittwochs an alle Haushalte
verteilt.
Auch hier ist die lokale Berichterstattung das A & O. Jeweils
ein eigener Redakteur ist in Unna und in Kamen vor Ort, um das
Geschehen dort einzufangen und darüber zu berichten. Zusätzlich
sind ein Pauschalist, zwei Fotografen und eine Fülle an freien
Mitarbeitern für die redaktionelle Seite der Zeitung im Einsatz.
Dabei berichten wir nicht nur über lokale Ereignisse,
sondern beziehen auch klar Stellung, so Brigitte Brennholt,
Objektleiterin des Stadtspiegels Kamen/Unna. Wir beleuchten
ganz im Stil des klassischen Journalismus die Hintergründe,
kommentieren und geben den Lesern so die notwendigen Informationen,
um sich eine Meinung zu bilden.
Vor allen Dingen versuche man einen eigenen unverwechselbaren
Stil zu kreieren. Die Eigenständigkeit der Berichte
und der Redaktion ohne Anlehnung an die Tageszeitungen im Einzugsgebiet
ist eine wichtige Maxime für uns, so Brigitte Brennholt.
Nur so bringt der redaktionelle Teil unseren Lesern auch
wirklich Nutzen.
Besonderer Wert wird in Kamen/Unna auf die Förderung des
Lesenachwuchses gelegt. In einer speziellen Rubrik teens
& trends wird diese Zielgruppe mit für sie interessanten
Themen angesprochen. Dafür ist einer der Redaktions-Mitarbeiter
tätig, der Kontakt in die Szene hat und die Themen
aufgreift, die für die Jugendlichen interessant sind. Dass
er damit großen Erfolg hat, beweist die gute Resonanz.
Um die Anzeigenkunden kümmern sich fünf Kundenberater.
Das ist nun einmal unsere Stärke kein Kunde
und keine Anzeige ist zu klein. Jeder hat den gleichen, wichtigen
Stellenwert und das spüren auch unsere Kunden, erläutert
Brennholt den Erfolg des Stadtspiegels Kamen/Unna.
Alle Zeitungen entstehen satztechnisch bei der Mediengruppe Blömeke.
Mehrere tausend Kleinanzeigen sind wöchentlich zu setzen
und werden im klassischen Klebeumbruch den Ausgaben zugeordnet
(siehe eindruck-Ausgaben 07 und 08). Digital geht es von hier
aus weiter in die einzelnen Druckhäuser. Brennholt hebt besonders
die gute Zusammenarbeit mit Blömeke hervor: Das Wichtigste
ist für mich, immer dieselben Ansprechpartner zu haben. So
ist die Arbeit viel reibungsloser und in kürzerer Zeit zu
schaffen. Die Zeitungserstellung ist nun einmal immer von großer
Hektik geprägt. Wenn dabei alles Hand in Hand läuft,
erspart das eine Menge Stress. Ich kenne diese Problematik aus
dem Tageszeitungssatz, in dem immer andere Mitarbeiter zuständig
waren. In meiner langen Zusammenarbeit mit Blömeke haben
die Mitarbeiter nie gewechselt. Man hat immer das gewünschte
Ergebnis, ohne viel erklären zu müssen.
In der nächsten Ausgabe von eindruck werden die Ausgaben
aus Castrop und Lünen, der Anzeigenblätter vorgestellt,
die ebenfalls bei Blömeke entstehen.
Anzeigenblätter
[Teil 4]
Die wohl ältesten Anzeigenblätter Deutschlands
Fast
50 Jahre sind beide auf dem Markt, der ORA-Verlag startete mit
ihnen seinen erfolgreichen Weg. Sie erscheinen heute zweimal wöchentlich
und haben in ihrer Leserschaft eine Akzeptanz, von der andere
Zeitungen nur träumen können: der Lüner Anzeiger
und der Stadtanzeiger Castrop-Rauxel. Beide Zeitungen entstehen
satztechnisch in der Mediengruppe Blömeke.
Wir
stecken ganz bewusst mehr Geld in die Redaktion und sind auch
dadurch zum eigentlichen Lokalmedium in Lünen geworden,
erläutert Ralf Darpe, Objektleiter des Lüner Anzeigers,
seine Strategie. Diese Strategie geht offensichtlich auf, denn
der Lüner Anzeiger verfügt über ein enormes Standing
das in erster Linie natürlich am Anzeigenvolumen gemessen
wird. Pro Ausgabe haben wir z.B. deutlich mehr als 600 Kleinanzeigen.
Der Wettbewerber bringt es nicht einmal auf die Hälfte,
so Darpe weiter.
Eine Sparte bedingt die andere: Das hohe Anzeigenvolumen ist letztendlich
ein Produkt der guten redaktionellen Arbeit. Wir haben sehr
viele Lüner, die mit Informationen ausdrücklich nur
zu uns kommen, damit wir darüber berichten. 66.100
Exemplare landen zweimal wöchentlich in allen Postkästen
in Lünen und Umgebung. Die redaktionelle Zielsetzung ist
wie bei allen Anzeigenmedien gleich: betont lokale und sublokale
Information bieten. Nicht unbedingt Standard ist jedoch der Redaktionsstil
des Lüner Anzeigers. Es wird nicht nur berichtet, sondern
auch kritisch hinterfragt und kommentiert. Rubriken wie die spitze
Feder greifen konkret Missstände und verbesserungswürdige
Fakten in Lünen auf.
Immer wieder versucht man, die Leser zu beteiligen. Sei es durch
Aktionen wie die dicksten Dinger, bei denen es um
die größten Sonnenblumen oder Kürbisse etc. im
eigenen Garten geht oder Aufrufe zur Beteiligung an Leserbriefmaßnahmen
und Gewinnspielen. Wir haben 1985 eine Aktion &Mac226;Mit
dem Lüner Anzeiger in den Urlaub gestartet, bei der
es darum ging, sich mit dem Lüner Anzeiger im Urlaub fotografieren
zu lassen, so Darpe. Noch heute bekommen wir Fotos
von Lünern, die sich aktuell in ihrem Urlaub am Nordkap oder
in der australischen Steppe mit einer Ausgabe des Lüner Anzeigers
fotografieren lassen. Der eigene Verteilerdienst wird übrigens
auch von offizieller Seite genutzt egal, ob Mitteilungen
der Stadt wie der jährliche Abfallkalender oder Säcke
für Kleidersammlungen alle schätzen die hohe
Zuverlässigkeit des Vertriebsteams des Lüner Anzeigers.
Auch nicht gerade alltäglich ist die Aktion Die geschenkte Seite. Diese konnte von ortsansässigen Vereinen kostenfrei zur Selbstdarstellung und Mitgliederwerbung benutzt werden. Die Vereine konnten sogar auf das Equipment des Lüner Anzeigers zurückgreifen. Man ist halt sehr rührig in Lünen und dieses Engagement zahlt sich auch aus. Und weil Erfolg letztendlich viel Spaß macht, ist das Team rund um Darpe fest zusammengefügt. Fluktuation gibt es bei uns quasi überhaupt nicht die Mannschaft steht seit X Jahren in der gleichen Formation.
Ein fast ähnliches Bild bietet der Stadtanzeiger Castrop. Er gehört mit dem Lüner Anzeiger zu den ältesten Anzeigenmedien Deutschlands und der ORA. Wir erscheinen ebenfalls zweimal die Woche, am Mittwoch und Samstag jeweils mit einer Auflage von 38.400 Exemplaren, so Gerd Voß, Objektleiter. Entstanden ist der Termin der Samstagsverteilung übrigens in der frühen Zeit des Stadtanzeigers Castrop-Rauxel. Kurz vor Toresschluss wurden samstags noch die Ergebnisse der Fußball-Bundesliga in die aktuelle Ausgabe am Samstag eingebunden. Anschließend wurde die Ausgabe mit Hochdruck fertig gestellt, denn die komplette Verteilung musste bis 24.00 Uhr abgeschlossen sein. Das hing mit dem Wettbewerbsrecht zusammen, das es untersagte, den Stadtanzeiger Castrop am Sonntag zu verteilen. Also musste die Ausgabe samstags bis 24.00 Uhr in allen Postkästen sein. Heute sind, aufgrund der geänderten Informationsstrukturen, die Bundesliga-Ergebnisse nicht mehr im redaktionellen Teil enthalten.
Wie eng der Stadtanzeiger Castrop-Rauxel mit der Stadt und den
Bewohnern verbunden ist, wird schnell an einer sehr ungewöhnlichen
Tatsache deutlich. Das Anzeigenblatt enthält nämlich
unter anderem auch die eigentlich für Tageszeitungen typischen
Familienanzeigen zu Todesfällen, Geburten oder Glückwünschen.
Wir dürfen in diesem Bereich nicht einmal akquirieren,
so Voß. Die ersten Inserenten sind einfach zu uns
gekommen und haben ihre Anzeige aufgegeben. Der Bereich etablierte
sich immer mehr und zählt heute zum Standard. Diesen Status
und diese Akzeptanz haben nur wenige Anzeigenmedien in Deutschland
und wir sind darauf natürlich sehr stolz.
Eingebunden ist der Stadtanzeiger Castrop auch in das lokale Geschehen.
Egal zu welchem Anlass ist die Redaktion vor Ort, zu Schützenfesten
u.Ä. erscheinen regelmäßig Sonderseiten, man ist
Mitglied in mehreren Werbegemeinschaften.
Außergewöhnlich ist die starke Aufteilung des
Erscheinungsgebietes. Castrop ist in drei fast autarke Gebiete
gegliedert, die jedes für sich einen Nebenzentren-Status
haben. Das bedingt betont sublokale Ausrichtungen, die wir erfüllen
müssen, erläutert Voß. Letztendlich werde
man aber auch dieser Rolle gerecht und könne auf die positive
Resonanz der Leser stolz sein.
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