Der Marathon des Sables – eine Nachlese

Wofür sie es in erster Linie getan haben? Nicht, um zu gewinnen und nicht aus persönlichem Ehrgeiz, sondern primär für die Organisation Interplast, die Kindern in Kriegsgebieten der Erde ein menschenwürdiges Leben durch die modernen Methoden der plastischen Medizin ermöglicht. Denn: Jeder gelaufene Kilometer wurde von Sponsoren „gekauft“ und kommt Interplast zugute. Die Mediengruppe Blömeke war einer der Hauptsponsoren der beiden athletischen Läufer.

„Tagsüber hat uns die Luft mit bis zu 70 °C den Atem geraubt, nachts sank das Thermometer bis auf 0 °C ab. Diese Wüste ist erbarmungslos. Die klimatischen Verhältnisse sind unvorstellbar belastend für den Organismus“, so Holger Schipper in seiner Nachlese. Am Start in der marokkanischen Wüste trafen sich 598 Wagemutige, die mit 15 Kilogramm Gepäck auf dem Rücken in sechs Tagesetappen von 25 bis zu 82 Kilometern Grenzerfahrungen sammeln wollten. Das Gepäck enthielt die Nahrung für eine Woche sowie Schlafsack und erforderliche Utensilien. Wasser wurde alle 10 Kilometer an Checkpoints wieder aufgetankt. „Man lebt von Tütennahrung und Energieriegeln. Ab einem gewissen Punkt träumen Sie nur noch von anderer Nahrung. Ich hatte ständig eine kalte Cola vor Augen, Lan redete ausschließlich von frischen Tomaten“, so Schipper.

Während der Tortur überwachten Ärzte ständig den körperlichen und geistigen Zustand der Läufer. Kompass, Signalpfeife und Leuchtrakete gehörten zur vorgeschriebenen Ausrüstung im Gepäck. „Doch trotz alledem konnte man sich nie sicher sein, dass auch wirklich niemand verloren gehen konnte. Man verliert jede Dimension. Zeit und Raum werden völlig bedeutungslos. Es zählt nur noch der nächste Schritt“, so Schipper.

Stellenweise ging es bis zu 200 Meter hohe Dünen steil nach oben. „Das bedeutet, man läuft zwei Schritte vor und rutscht wieder einen zurück – der Sand bietet den Füßen einfach keinen Halt“, so Schipper. Nachts waren von den Veranstaltern an festgelegten Punkten Biwaks aufgebaut worden. Ganz so komfortabel, wie sich das anhört, war es jedoch nicht. „Die Zelte bestanden aus alten, zusammengenähten Kaffeesäcken, der Boden aus Steinen oder Geröll“, so Lan Demiri. „Acht Mann lagen in einem Zelt Schulter an Schulter. Trotz der körperlichen Strapazen konnte man eigentlich nie richtig schlafen.“

Dennoch möchten die beiden Extrem-sportler die Erfahrungen des Marathon des Sables nicht missen. „Es entsteht ein starkes Wir-Gefühl unter den Teilnehmern“, erläutert Demiri. „Jeder hilft jedem, unabhängig von Nation, Kultur oder Hautfarbe. Es war eine Gemeinschaft mit Menschen aus 33 Nationen. Diese sechs Tage prägten Schipper und Demiri aber auch in anderer Hinsicht. Immer wieder dachten beide über ihren Alltag in Deutschland und ihre Sorgen dort nach. „Das Handy, ein Auto, selbst eine Mahlzeit oder die Dusche – all das ist Luxus, den wir selbstverständlich akzeptieren“, so Demiri. „Es sind Annehmlichkeiten, die für marokkanische Wüstenbewohner unerreichbar bleiben.“

„Es war ein erschütterndes Bild“, meint Schipper, „Wir liefen aus freien Stücken durch diese Wüste, ausgestattet mit modernster Ausrüstung. Auf der anderen Seite lebten dort aber immer wieder Menschen, die uns etwas verkaufen wollten, nur um ihre Existenz zu sichern. Bei jeder Rast waren sofort Kinder da, die nach allem bettelten, was wir dabei hatten. Das sind Erfahrungen, die wir beide niemals vergessen werden.“

Beide belegten schließlich einen achtbaren Platz im ersten Drittel des Läuferfeldes. Ein zweites Mal Marathon des Sables wird es für Schipper und Demiri nicht mehr geben. Dafür fassen die Extremsportler aber schon andere Herausforderungen an. Im nächsten Jahr wird es – im Anschluss an den Ruhr-Marathon – eine „Tour de Ruhr“ geben. Hier wird das Ruhrgebiet unter und über Tage „belaufen“.

Doch kaum zurückgekommen stand für beide erst einmal der diesjährige Ruhr-Marathon an, den Schipper wegen einer hartnäckigen Grippe jedoch nur zur Hälfte absolvieren konnte. „In jedem Fall werden wir die Marathonspende weiter am Leben erhalten und im nächsten Jahr wieder eine Organisation auswählen, für die wir gerne alle Strapazen auf uns nehmen werden“, so Schipper und Demiri abschließend.

Bedanken möchten sich die beiden bei allen Spendern. Insgesamt konnten 15.000 Euro an die Organisation „Interplast“ übergeben werden. Vielen Dank auch an alle eindruck-Leser, die diese Aktion durch ihre Spende unterstützt haben.