VfL Bochum:
Die „graue Maus“ hat an Farbe gewonnen

Ein Pfund, mit dem der Verein wuchern kann: Nachwuchsarbeit als Investition in die Zukunft

Der Name dieses Mannes ist wohl nur noch wenigen Eingeweihten ein Begriff, doch
für den VfL Bochum hat er Geschichte
geschrieben. Die Rede ist von Hans-Werner Hartl und er ist aufgrund eines einzigen Tores auf ewig in die Annalen des Fußballclubs eingeschrieben: Hans-Werner Hartl schoss das erste Bundesliga-Tor für den VfL. Das war am 14. August 1971.

Viel passiert ist seit diesem Sommertag vor nunmehr fast 31 Jahren – eine wechselvolle Zeit für den Verein, der einst den zweifelhaften Ruf der „grauen Maus“ der Fußball-Bundesliga genoss. Aus den „grauen Mäusen“ wurden die „Unabsteigbaren“ und schließlich bekam der VfL Bochum den Stempel einer „Fahrstuhlmannschaft“:

Bochums Fußballfans erlebten, dass auch der VfL aus dem Fußball-Oberhaus absteigen kann. 1993 war es zum ersten Mal soweit, und dann ging es Schlag auf Schlag: 1995, 1999 und 2001 folgten erneut Abschiede aus der 1. Bundesliga. Dafür, dass es in dieser Saison wieder aufwärts gehen soll, sorgt derzeit Peter Neururer, seit dem 4. Dezember 2001 Cheftrainer im Ruhrstadion. Sein Vertrag wurde jüngst bis zum Jahre 2003 verlängert.

Gegründet wurde der „Verein für Leibes-übungen“ Bochum im Jahre 1848, die eigenständige Fußballabteilung folgte aber erst 90 Jahre später, im Jahre 1938. Rund 4800 Mitglieder zählt der Verein inzwischen, davon gehören etwa 1400 der heute eigenständigen Fußball-Abteilung an.

Ausgerechnet ein Pop-Song war es, der dafür sorgte, dass der VfL auf einen Schlag auch allen Nicht-Fußballbegeisterten ein Begriff wurde. Herbert Grönemeyer stürmte Anno 1984 mit seinem Album „4630 Bochum“ die Charts und sang in seinem Hit „Bochum“ die unvergessliche Zeile: „machst mit ‘nem Doppelpass jeden Gegner nass, du und dein VfL“. Doch nicht nur in den Charts tummelte sich der VfL ganz weit oben, auch die sportlichen Erfolge des Verein können sich sehen lassen.

Zu den größten Erfolgen der Vereinschronik zählen nach wie vor die Aufstiege in die 1. Bundesliga in den Jahren 1970, 1994, 1996, 2000 und 2002 sowie die beiden Teilnahmen am DFB-Pokalendspiel: 1968 verlor der damalige Regionalligist mit 1:4 gegen den 1. FC Köln, 1988 mit 0:1 gegen den Liga-Konkurrenten Eintracht Frankfurt. Als erfolgreichstes Jahr der Vereinsgeschichte dürfte aber sicherlich 1997 gelten: Als Aufsteiger erreichte der VfL den fünften Tabellenplatz und damit die Teilnahme am UEFA-Cup. Bei ihrem ersten internationalen Wettbewerb scheiterten die Blau-Weißen erst in der dritten Runde an Ajax Amsterdam.

Viele von Hans-Werner Hartls Erben haben sich in der Fußballwelt einen Namen gemacht. Im blau-weißen Trikot kickten so
illustre Spieler wie Franz Josef Tenhagen, Klaus Fischer, Stefan Kuntz, Yildirai Bastürk oder Dariusz Wosz, der in dieser Saison zum Ruhrstadion zurückgekehrt ist.

Trotz zahlreicher größerer und kleinerer Sponsoren – zu denen bereits seit 1995 auch die Mediengruppe Blömeke zählt – gehörte der VfL Bochum nie zu den „reichen“ Vereinen der Liga – und das ist bis heute so geblieben. Deshalb ist vor allem die Nachwuchsarbeit ein Pfund, mit dem der Verein wuchert.

Seit acht Jahren kümmert sich Jürgen Heipertz als Koordinator für den Amateur- und Jugendbereich um die Nachwuchsarbeit des Vereins. „Unser Ziel ist es, junge,
talentierte Spieler schon in jungen Jahren zum VfL zu holen, sie gut auszubilden und sie über die A-Jugend und die Amateurmannschaft möglichst bis in die Bundesliga-Mannschaft zu führen“, erläutert Jürgen Heipertz die Strategie, mit der der VfL schon seit Jahren gut fährt.

Derzeit sind acht Spieler, die in der Profi-Mannschaft kicken, Eigengewächse des VfL: Slawo Freier etwa, oder auch Sebastian Schindzielorz, Rouven Schröder, Frank Farenhorst oder Delron Buckley.

„Der Nachwuchs ist für uns eine Quelle, aus der wir schöpfen. Und anders als andere Groß-Vereine der Region können wir den jungen Leuten eine echte Perspektive bieten, tatsächlich mal zum Zuge zu kommen“, so Jürgen Heipertz. Aus den knappen finanziellen Ressourcen macht der Verein eine Tugend: Da hier nicht Millionen für teure Spieler aus dem Ausland ausgegeben werden können, haben talentierte Nachwuchsspieler eine reelle Chance, eines Tages tatsächlich bei den Profis zu landen – und dort auch spielen zu können. „In anderen Vereinen landet der eigene Nachwuchs höchstens auf der Bank, ohne je Spielpraxis sammeln zu können“, ist die Erfahrung, die Heipertz im Laufe der Jahre gemacht hat. Eine gute Zusammenarbeit der verschiedenen Trainer und Betreuer, kurze Wege im Verein, viel Engagement und eine funktionierende Kommunikation untereinander – das sind für Jürgen Heipertz die Grundpfeiler einer funktionierenden Nachwuchsarbeit. „Und da sind wir auf dem richtigen Wege“, ist sich der Leiter der Nachwuchs-Abteilung sicher.

Und wer weiß, vielleicht ist unter den rund 230 Jugendlichen, die derzeit beim VfL Bochum trainieren, ja der eine oder andere zukünftige Nationalspieler dabei. Denn beim VfL Bochum, da hat der Nachwuchs immer die besten Karten...



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