Die
Buchempfehlung:
Pokorny lacht
Als
Frank Goosen vor zwei Jahren seinen ersten Roman Liegen
lernen veröffent-lichte, überschlugen sich Kritiker
und Fans vor Lob. Mittlerweile wurde der Stoff des Romans verfilmt
und kommt in diesem Sommer in die Kinos. Mit Spannung wurde jetzt
sein zweiter Roman erwartet.
Der Komiker Friedrich Pokorny kommt nach einer dreiwöchigen
Tournee nach Hause und findet in dem Poststapel einen Brief, der
ihn aus der Bahn wirft. Es ist eine Einladung zum Abendessen,
ausgesprochen von seinem Jugendfreund Thomas Zacher, den er seit
Jahren aus gutem Grund nicht mehr gesehen hatte: Er konnte
nicht zu Zacher gehen, sich mit ihm an einen Tisch setzen und
essen, als sei nichts gewesen. Immerhin war Zacher dafür
verantwortlich, dass Ellen nicht mehr lebte.
Schon der Beginn des Romans macht deutlich, dass dem Leser eine
tragische Story bevorsteht, wenn anschließend die Vorgeschichte
einer Männerfreundschaft aufgerollt wird: Im letzten Schuljahr
der Grundschule freunden sich Friedrich, Sohn eines Schrottplatz-Besitzers
und Thomas, Sohn einer allein erziehenden Alkoholikerin, an. Die
beiden Außenseiter scheinen sich gut zu ergänzen. Der
intelligente und ehrgeizige Thomas, der bei Friedrichs Eltern
eine liebevolle Familie erleben kann, hilft Friedrich wiederum
bei den Hausaufgaben.
Doch von Beginn an steht die Freundschaft unter keinem guten Stern.
Friedrich sieht in Thomas neben dem Freund auch stets einen Konkurrenten
und tritt in einen unausgesprochenen Wettbewerb mit ihm. So versucht
er schon früh, mit dem Cadillac, der der Stolz des Schrotthändlers
ist, Eindruck zu schinden. Als Thomas erste Erfolge bei Mädchen
hat, die Friedrich nicht vorweisen kann, verändern sich Friedrichs
Gefühle für Thomas.
Die Wege der beiden trennen sich im Studium; doch um mit seinem
Lebensstil und angeblichen Eroberungen zu prahlen, lädt Friedrich
seinen Schulfreund Thomas immer wieder ein. Dabei kommt es zur
Begegnung mit Ellen, einer Frau, die zwar Zachers Freundin wird,
zu Pokorny aber ebenfalls eine erotische Beziehung aufbaut. Als
es zu einer Aussprache der drei kommt, endet diese mit einem tödlichen
Unfall Ellens und Pokorny gibt Zacher für diesen Unfall
die Schuld.
Als Pokorny Jahre später die Einladung Zachers annimmt, erwartet
ihn eine Überraschung: Zacher ist mittlerweile verheiratet
und Kristina, die Tochter, die seine Frau mit in die Ehe
gebracht hat, gleicht auf gespenstische Weise Ellen.
Dem Autor Frank Goosen ist mit Pokorny ein gebrochener Charakter
gelungen, der bis ins Detail zu überzeugen vermag. Pokorny,
der schon als Klassenclown zwar die Lacher, aber kaum Sympathien
für sich gewinnen kann, versteckt seine Gefühle hinter
Zynismus, tourt bis zum Umfallen, um nicht zur Ruhe zu kommen
und die eigene Einsamkeit zu spüren.
Pokorny lacht ist ein bösartiges Psychogramm
einer Freundschaft zweier Außenseiter. Goosen ist mit dem
Roman ein interessantes Werk deutschsprachiger Unterhaltungsliteratur
gelungen.
Frank Goosen:
Pokorny lacht, Eichborn,
224 Seiten, Euro: 19,90
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