Ein starkes Stück New York

Atemberaubend, einzigartig, einmalig, epochal, fesselnd oder faszinierend –
bei dem Versuch, Worte für das „MoMA in Berlin“ zu finden, überschlägt sich die Fachwelt wie der „einfache“ Kunstfreund im Finden von Superlativen.

Seit dem 20. Februar zeigt das Museum of Modern Art, New York (MoMA) in der Neuen Nationalgalerie in Berlin über 200 seiner bedeutendsten Werke. Weit über 100 000 Besucher wurden allein in den ersten 20 Ausstellungstagen gezählt. MoMA avanciert damit zum populären Star, der in den Medien häufiger Erwähnung findet, als irgendein anderes kulturelles Ereignis. Doch die Exklusivität und Einzigartigkeit dieses „Spaziergangs durch die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts“ verdient es, den Ausstellungshöhepunkt des Jahres auch an dieser Stelle in Wort und Bild zu begleiten.

Für sieben Monate gastiert die Sammlung in der Bundeshauptstadt und präsentiert die Kunst der Moderne in einer in Europa bisher nicht da gewesenen Bandbreite und Qualität.

Seine Sammlung mit Ikonen der Kunst des letzten Jahrhunderts präsentiert das MoMA erstmals in dieser geschlossenen Form außerhalb Amerikas. Der Bogen der von John Elderfield (MoMA) und Angela Schneider (Nationalgalerie) kuratierten Ausstellung spannt sich von den späten Impressionisten über die klassische Moderne bis hin zur zeitgenössischen Kunst.
Beginnend bei den bahnbrechenden Malern der Jahrhundertwende werden die Zuschauer entlang der Kunstepochen durch die Ausstellung geführt. Cézannes Jüngling „Der Badende“ (ca. 1885) hängt neben van Goghs furioser „Sternennacht“ (1889) und Rousseaus geheimnisvollem „Traum“ (1910).
Es folgen mit umfassenden Werkkomplexen die beiden Protagonisten des 20. Jahrhunderts, Pablo Picasso und Henri Matisse. Ein Leben lang in rivalisierender Freundschaft verbunden, war der um zehn Jahre ältere Matisse für Picasso der einzige Ebenbürtige unter den lebenden Künstlern. Von Matisse’ „Der Tanz“ (1909) geht es zu Picassos „Drei Musikanten“ (1921) und Légers großem Gemälde „Drei Frauen/Le Grand déjeuner“ (1921).

Gleichzeitig sind die Metaphysiker des Jahrhunderts vertreten, Malewitsch mit seiner Suprematistischen Komposition: „Weiß auf Weiß“ von 1918 und Mondrian mit „Gemälde Nr. 1“ von 1926.

Einen weiteren Höhepunkt bildet der Surrealismus. Neben Gemälden von Miró, Tanguy und Dalí mit seiner „Die Beständigkeit der Erinnerung“ (1931) beschreiben die „Readymades“ von Marcel Duchamp und die „Phantastische Pelztasse“ von Meret Oppenheim (1936) eine absurde Welt, in der alles möglich ist. Aus ihr, respektive aus der Begegnung der aus Europa vor den Nationalsozialisten geflüchteten Künstler mit den jungen amerikanischen Malern, entstand die für die zweite Hälfte des Jahrhunderts richtungweisende New Yorker Schule. Jackson Pollocks „Number I“ 1948 hat ebenso wie Barnett Newmans „Broken Obelisk“ (1963 - 69), der die Besucher vor der Nationalgalerie begrüßt, und Robert Motherwells „Elegie für die spanische Republik“ Geschichte geschrieben.

Mit der Pop Art, mit Jasper Johns, Roy Lichtenstein, Andy Warhol, Claes Oldenburg etc. setzt sich die amerikanische Kunst fort. Die Ausstellung endet mit dem Werk eines deutschen Künstlers, mit Gerhard Richters Zyklus zur Roten Armee Fraktion, dem „18. Oktober 1977“ von 1988.