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Eine
neue Haut für das MiR
Fassadensanierung
des Musiktheaters ist in vollem Gange
Während der diesjährigen Theaterferien sind im Gelsenkirchener
Musiktheater (MiR) die Bauarbeiter angerückt: Im Rahmen einer
elfmonatigen Baumaßnahme wird die komplette Außenfassade
des denkmalgeschützten Musiktheaters im Revier (MiR) von
Ende Juli 2003 bis Ende Juni 2004 saniert. eindruck berichtet
aus diesem Anlass über eines der traditionsreichsten Spielhäuser
im Revier mit seiner außergewöhnlichen Architektur.
Als das Musiktheater im Revier im Jahre 1959 eingeweiht wurde, galt es als das modernste Theater Europas. Der Zahn der Zeit hat jedoch heftig an dem imposanten Bau aus Stahl und Glas genagt. Da das Musiktheater im Revier unter Denkmalschutz steht, mussten die neuen Bauteile den vorhandenen Abmessungen exakt angepasst werden.
Die Herstellungskosten der neuen Fassade betragen ca. 4,3 Mio. _ und werden von der Stadt Gelsenkirchen als Eigentümerin des Gebäudes sowie dem Land NRW und der Gelsenwasser AG getragen. Wie alle anderen Revierstädte wird auch Gelsenkirchen von erheblichen Etatproblemen belastet. Warum findet dennoch diese aufwändige Aktion statt? Ist es das reiche Programmangebot und der hervorragende Ruf des Hauses? Sicher doch auch das Gebäude an sich bietet reichlich Anlass zu seiner Erhaltung.
Das MiR ist einer der bedeutendsten und interessantesten Theaterbauten der Nachkriegszeit, in dem Architektur und Kunst verschmelzen. Am 15. Dezember 1959 wurde der neu gebaute Komplex unter der Federführung des Architekten Werner Ruhnau mit zwei Spielstätten dem Großen und dem Kleinen Haus eröffnet. Ruhnau realisierte ein Prinzip der Baukunst, das an die Traditionen der Bauhütten des Mittelalters, der Werkstätten von Renaissance und Barock, aber auch von Werkbund und Bauhaus anknüpft. Bereits in der Planungsphase kooperieren Künstler, Ingenieure, Handwerker und Architekt in gemeinsamen Werkstätten.
Die damals wie heute sensationelle Integration von Architektur und bildender Kunst gibt dem Theater seinen unverwechselbaren Charakter: In der Gelsenkirchener Bauhütte entwickelten der Franzose Yves Klein, der Schweizer Jean Tinguely, der Engländer Robert Adams und die beiden Deutschen Norbert Kricke und Paul Dierkes gemeinsam die äußere und innere Gestaltung des Musiktheaters. Seit 1997 steht das MiR unter Denkmalschutz. Der für damalige Verhältnisse avantgardistische Bau erregte Aufmerksamkeit in ganz Europa. Jeden Besucher lädt das Musiktheater im Revier ein, stehen zu bleiben, innezuhalten und ein Stück Bau-Kunst oder Kunst am Bau intensiver zu betrachten: Von außen fallen die filigranen Röhrenplastiken von Norbert Kricke auf, die vor dem dunkel gestalteten Kleinen Haus in spannungsvollem Gegensatz zu Robert Adams' weißem Eingangsklotz stehen. Betritt man das Große Haus, entdeckt man erst auf den zweiten Blick die kunstvolle Gestaltung der halbrunden weißen Betonwand von Paul Dierkes, die den Zuschauer- und Bühnenraum von den lichtdurchfluteten Foyers trennt. Höhepunkt des Aufstiegs zum Foyer sind für jeden Besucher die riesigen blauen Gips- und Schwammreliefs von Yves Klein. Im Kleinen Haus locken unaufdringlich die grauen Mobiles von Jean Tinguely das Auge des Betrachters an, ehe man sich im variablen Zuschauerraum auf das Bühnengeschehen konzentriert.
Gegensätze zwischen hell und dunkel, außen und innen, zwischen strengen rechteckigen Formen und weichen Rundungen, zwischen Farbe und Schwarzweiß bis hin zur Transparenz, begegnen dem Besucher im Musiktheater im Revier auf Schritt und Tritt. Unvergessen bleibt nach einem Theaterabend das intensive Yves-Klein-Blau im BauKunstwerk MiR: Architektur und Kunst, Musik, Darstellung und Tanz verschmelzen hier einzigartig.
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